Mein erstes Trailrennen - Laufreise nach Teneriffa

07:33 kulikeljudi 0 Comments


102km von Süd nach Nord. Insgesamt 6.784m Anstieg. 24 Stunden Zeitlimit. Und wunderschöne Landschaften beim einzigen Lauf der Welt, der auf Meereshöhe startet und bis auf 3.555m Höhe führt - nämlich den Vulkan El Teide. Das ist der Blutrail Ultra auf Teneriffa. Und für mich eine Hausnummer zu groß. Zum Glück gibt es aber auch kürzere Distanzen und so konnte ich ein erstes Mal ins Traillaufen hinein schnuppern.
Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa Ultra Winner Yeray Duran Lopez


Ich glaube es gibt wenig Länder, in denen Berg- und Trailläufe so beliebt sind wie in Spanien. Daran sind sicherlich auch Sportler wie Kílian Jornet nicht ganz unschuldig. Und was liegt näher für mich als so ein Lauf in Spanien, wo ich doch noch nie in Spanien gestartet bin? 😉

Der Bluetrail auf Teneriffa sollte es also werden und letzten Samstag war es dann endlich soweit. Besonders gefiel mir, dass die Organisatoren vom Bluetrail für (fast) jeden etwas im Angebot hatten. Denn die oben erwähnten 102km sind sicherlich nur etwas für wahre Trailprofis. Mir reichten die leichten 20km mit etwas mehr als 1.200m Anstieg in der Vulkanlandschaft Teneriffas schon vollkommen aus.


Diese verschiedenen Modi bietet der Bluetrail
Ultra: 102km; 6.784 HM im Aufstieg; 24h Zeitlimit
Trail: 67km; 3.246 HM im Aufstieg; 14h Zeitlimit
Maratón: 43km; 2.341 HM im Aufstieg; 9h Zeitlimit
Media: 20km; 1.242m HM im Aufstieg; 4h Zeitlimit
Reto (Integrationslauf): 1,2-8km

Fun Fact: Wie ihr seht, wird mit den Begriffen Halbmarathon und Marathon im Süden etwas entspannter umgegangen. Genauso ist aber auch die Stimmung. Locker und angenehm. 😊


Tag X - Es kann losgehen


Ausgelassene Stimmung vor dem Start
Im Gegensatz zum 102 Kilometer langen Ultra, dessen Startschuss bereits am Vorabend um 23:30 Uhr fiel, konnte ich regelrecht ausschlafen. Der Media Marathon startet nämlich erst 8:00 Uhr. Das heißt aufstehen um 4:45 Uhr, frühstücken um 5 Uhr, losfahren um 6 Uhr und um kurz nach 7 Uhr am Startbereich ankommen. Der erste Schocker kam schon auf dem Hinweg im Bus, als es zu regnen begann. Aber nicht nur ein paar entspannte Tropfen, nein, sondern Starkregen. Und der einheimische Busfahrer wollte uns auch keine Hoffnung machen, als er sagte, dass es sicherlich bis Mittag durchregnen würde. Und so kam es, dass sich ein großer Teil der circa 650 Läufer in einem kleinen Restaurant am Plaza de San Augustín in Los Realejos, an dem der Lauf losgehen sollte, versammelte und noch einen Kaffe trank oder einfach nur quatschte.


Stimmung wie in einer Großstadt - die ersten Kilometer


Obwohl die Veranstalter um kurz nach 7 Uhr noch eine Verzögerung des Startschusses um 10-20 Minuten verkündeten, startete der Lauf pünktlich. Und nicht nur das, pünktlich zum Start ließ auch der Regen nach. Die Trommler von Bloko del Valle sorgten für ausgelassene Stimmung und eine für das kleine Örtchen beträchtliche Zahl an Zuschauern stand am Streckenrand oder auf den Balkonen und winkte und jubelte uns Läufern zu. 
Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa
Läufer aus über 30 Nationen machen den Bluetrail zu einem internationalen Event. Hier: Ron & Elspeth aus dem Vereinten Königreich, Abi aus Spanien, ich und Jorge aus Dänemark (v.l.n.r.)



Während die ersten beiden Kilometer mit halbwegs sanfter Steigung noch gut zu passieren waren, ging es danach richtig knackig zur Sache! Auf den Kilometer Nummer drei, vier und fünf ging es nämlich gefühlt senkrecht bergauf und meine Pace sackte auf 15 bzw. sogar 17min pro Kilometer ab, während mein Herz schneller pumpte als bei einem 5.000 Meter Rennen. Noch naturverbundener wurde es aber, als wir mitten in die dichten Wolken und erneut in den Regen hineinliefen. Das führte im Endeffekt dazu, dass die mal kleineren und mal größeren, oftmals aber kaum befestigten Trails zu einer echten Rutschpartie wurden und man auf jeden Schritt aufpassen musste. Wer auch nur eine Sekunde lang nicht zu 100% fokussiert war, wurde dafür bitter bestraft. Und das musste ich später noch an meinem eignen Leib erfahren.


Die Landschaft? Erste Sahne.


Dass die Landschaft außergewöhnlich war, habe ich beim Lauf schon mitbekommen. Wie schön sie aber tatsächlich war, konnte ich leider erst nach dem Lauf auf den Fotos von Abi aus Barcelona feststellen, welche ich euch deshalb auch nicht vorenthalten möchte.


Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa
Noch einer der flacheren Streckenabschnitte. Foto: Abigail Parra / Runner's World Woman ES


Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa
Zwischendurch wurde auch schon mal gegangen. Foto: Abigail Parra / Runner's World Woman ES

Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa Mirador San Pedro
Ganz oben angekommen. Foto: Abigail Parra / Runner's World Woman ES


Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa
Zum Glück ging es irgendwann auch wieder bergab. Foto: Abigail Parra / Runner's World Woman ES

Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa Verpflegung
An Verpflegung mangelte es definitiv nicht.
Foto: Abigail Parra / Runner's World Woman ES
Zum Glück endet irgendwann aber auch der größte Anstieg. Mein Kopf war hoch motiviert, die zuvor verlorenen Minuten wieder reinzuholen, nur meine Beine waren noch ein paar Minuten länger im Chillmodus, weshalb mein Knie bereits wenige hundert Meter nach Beginn des ersten "richtigen" Abstiegs gleich mal die Steine geknutscht hat. War ja klar, dass das auf Steinen passiert und nicht im Matsch. Leider tat es so krass weh, dass ich erst einmal ein paar Minuten nicht richtig weiterlaufen konnte. Zudem blutete es wie Sau. Schönes Ding, denn es gab zwar Sanitäter, aber wie soll man Mitten von 1.000m auf einem kleinen Pfad so schnell wegkommen? Und nach 6 Kilometern durfte doch noch nicht das Ende für meine Mission sein!? Also entschied ich mich weiterzulaufen. Nach einigen hundert Meter ließ der Schmerz zum Glück nach und bald war der erste Verpflegungspunkt nach 10 km erreicht.

Hier gab es leckeres Obst, Wasser, Isodrinks und aufmunternde Worte vieler Helfer und Zuschauer. Man merkte einfach, dass ein Großteil der Läufer von der Insel kam und alles sehr familiär war.


Auf zur Küste


Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa
So sieht es an der Küste von Teneriffa aus
Auf den nächsten Metern ging es steil bergab. So steil, dass ich die ganze Zeit über das Gefühl hatte, mich gleich zu überschlagen. Ich hatte mich verspekuliert. Denn eigentlich hatte ich die Hoffnung, die bei den Anstiegen verlorenen Sekunden (naja eigentlich waren es eher Minuten) wieder auf den Abstiegen rauszuholen. Aber bekanntlich kommt nach jedem Tief auch wieder ein Hoch und genauso nach jedem Tal auch wieder ein Anstieg. Auf den nächsten Kilometern entlang der Küste sollte es also weiterhin herausfordernd bleiben.

Während die Strecke super markiert war und man sich eigentlich nicht verlaufen konnte ist mir leider etwas negativ aufgefallen, dass leider keine Kilometerstände angezeigt wurden. D.h. ohne GPS auf Uhr oder Smartphone wusste man nicht, ob man gerade bei Km 5 oder Km 15 war. Das hat meiner Meinung nach Verbesserungspotential. Aber sei es drum. Dem Laufvergnügen tat es in dem Fall keinen Abbruch. Für mich ging es ja eh mehr um den Spaß als das jagen einer extrem krassen Zeit.


Zeit für einen Schlussspurt


Aus dem Streckenprofil könnt ihr entnehmen, dass die letzten rund 3 Kilometer nahezu eben verlaufen.
Streckenprofil des Bluetrail Media. Grafik: www.tenerifebluetrail.com/de

Das hat den große Vorteil, dass man auch mit wenig Kraftreserven das Ziel erreichen kann. Und nicht nur das, bei dem einen oder anderen reicht es sicher auch noch für einen Schlussspurt. Denn auch wenn es zwischendurch der Strecke geschuldet recht ruhig und naturverbunden wird, feuern einen auf den letzten Meter viele Leute an. Gänsehautfeeling inklusive.


Fazit

Bluetrail Tenerife Teneriffa Finisher Medal
Geschafft 😊🎉

Der Cajamar Tenerife Bluetrail - wie er vollständig heißt - besticht durch seine Landschaft. Und nicht nur die Ultraläufer, die sämtliche Klimazonen der Insel kennenlernen, bekommen die reizvolle Natur der Insel zu spüren. Läufer jeder Distanz kommen auf ihre Kosten und können dabei an ihre persönlichen Grenzen des Machbaren stoßen.
Deshalb lautet das Motto der Insel auch: Tenerife, you set your own limits.

Besonders gut gefällt mir der Gedanke der Veranstalter, dass es die Natur zu schützen gilt. Denn Respekt gegenüber den Mitmenschen, der Flora und der Fauna stehen an der ersten Stelle. Deshalb gibt es auch nicht die Unmengen an Plastikbechern wie sonst. Jeder Läufer hat seinen eigenen Becher bzw. seine eigene Flasche mitzubringen und diese können an den Verpflegungsstellen bzw. Getränkestationen wieder aufgefüllt werden. Funktioniert auch. Und spart tausende von Bechern, die sonst bei einem Laufevent verbraucht werden. Das kann gern Schule machen.

Insgesamt bietet der Bluetrail also ein spannendes Paket in einer malerischen Umgebung. Was will man mehr!? Ich komme gern wieder. Habe ja jetzt eine persönliche Benchmark die es zu schlagen gilt. 😋


Zum Abschluss noch ein paar Impressionen 


Bluetrail Tenerife Teneriffa Start Los Realejos
Das nenne ich entspannt. Eine Stunde vorm Start wurde gerade erst begonnen aufzubauen.

Bluetrail Tenerife Teneriffa
Einer der wenigen Streckenabschnitte, auf denen man ballern konnte.

Bluetrail Tenerife Teneriffa Strecke
Die Strecke im Überblick.
Bluetrail Tenerife Teneriffa Mirador de San Pedro
Blick von etwas unterhalb des Mirador de San Pedro

Cajamar Bluetrail Tenerife Teneriffa Medaille
Die Medaille des Bluetrails


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